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Faszination Grusel allgemein - wieso, weshalb, warum?

vom 21.06.2012

Dieser Beitrag ist nur ein kleiner Einblick, da sich generell nicht alles pauschalisieren lässt. Oftmals gibt es viele Beweggründe, warum ein bestimmter Umstand Faszination erreicht und Spaß machen kann.

Grundsätzlich...
hat Gruseln mit Gefahr und Angst zu tun. Und Angst ist ein Empfinden, was instinktiv von je her bei den Menschen und selbst in der Tierwelt bei bestimmten Extremsituationen oder vor dem Ungewissen entsteht, den Organismus in Stress versetzt und z. B. durch Hormonausschüttung die Leistungsfähigkeit eines Individuums zum Erhalt des eigenen Überlebens steigert, um durch Angriff oder Flucht mit der Situation fertig zu werden, der es ausgesetzt ist.

Die Freude...
am Gruseln entsteht in erster Linie aus den Aspekten heraus, dass die Gefahr nur dargestellt und keine unmittelbare Bedrohung ist. Der Beobachter selbst ist nicht der Situation ausgesetzt, sondern kann aus sicherem Abstand die dargestellte Szenerie verfolgen. Damit ist keine Schadenfreude gemeint, als eher das Vermögen, sich in das betroffene Opfer hineinzufühlen und nachempfinden zu können, was Letzterer zu durchleiden hat. Das verursacht einen Nervenkitzel, der durchaus Spaß machen kann, während man selbst nichts zu befürchten hat. In der Theorie mag es so etwas geben, seit der Mensch einer darstellenden Kommunikation fähig ist und das wiederum bleibt der Tierwelt vorbehalten. Tiere können zwar Angst empfinden, aber dem Grusel keine Unterhaltung abgewinnen.

Für uns Menschen...
ist auffällig, dass sich ein gesteigertes Interesse am Grusel entwickelt, je unbeschwerter und sorgloser wir sind oder sein können. Das soll bedeuten, wer selbst aktiv oder passiv Not durchleiden muss, dessen Grusel liegt in realer Form vor und bedrängt den Betroffenen unmittelbar, die nötige Distanz und Sicherheit sind nicht gegeben, der Bedarf an zusätzlich fiktivem Grusel ist gedeckt und es kann dem ganzen keine Unterhaltung abgewonnen werden. Beispiel: Nehmen wir für die aktive Seite einen Bewohner eines Krisengebietes oder für die passive einen Rettungssanitäter, beide brauchen keine Splatterfilme mehr und tendieren wohl eher in Richtung Harmoniebedürftigkeit. Das zeigt sich auch im Laufe der Jahrzehnte innerhalb der Gesellschaft. Je schlechter es der Gesellschaft geht, desto eher floppen Horrorfilme.
Zusätzlich bin ich auch der Meinung, dass eine gewisse Neugier, sozusagen ein gesunder Anteil Voyeurismus in jedem steckt und ergänzend bei der Faszination für den Grusel zum Tragen kommt. Und damit ist nicht gemeint, eine Unfallstelle auf der Autobahn gaffend im Schritttempo zu passieren! Das gilt es zu verurteilen!

Einige Beweggründe der Macher:
Spaß an ausgefallenen Produktionen, Maskenbild von Monstren und Gestalten. Die dargestellte Bedrohung ist zumeist erfunden und kann schlicht der Unterhaltung dienen. Dies ist auch einer meiner Hauptbeweggründe, mein Projekt ins Leben gerufen zu haben.
Nicht selten resultieren Gruselthemen aber auch aus Unwissenheit der Menschheit. Die Wissenschaften haben noch nicht sämtliche Weisheiten erlangt und solange Ungeklärtes im Raume schwebt, bestehen auch Ängste davor. Nicht alle Folgen der Eingriffe der Menschheit in die Natur sind klar, so dass Gruselproduktionen auch gern eine Kritik darstellen (nehmen wir z. B. die ganzen Mutationen, die aufgrund von Umweltsünden und Atomversuchen in Filmen thematisiert wurden). Dann gibt es den Bereich des Übernatürlichen und Unerklärlichen, der, solange er nicht komplett durchleuchtet ist (und das wird er wohl auch nie), weiterhin genutzt wird, mit dem Gemüt der Menschen zu spielen.
Ein weiteres, wohl sehr beklemmendes Thema ist die Darstellung realistischer Szenarien, die durchaus möglich wären und die jedem passieren könnten.
Die Gruselproduktionen aus Film, Literatur etc. sind oft auch ein Spiegel der gesellschaftlichen Umstände und Sorgen der Menschheit.

Generelles:
In Verbindung mit der gestiegenen Technisierung haben sich die Möglichkeiten und das Medienrepertoire sehr erweitert. Erzählte man sich früher noch Märchen, die bereits gruselige Elemente enthielten, sind es heute Geschichten, Hefte, Bücher ohne Ende, Lesungen, Hörspiele, Serien, Filme bis hin zum Vampir-Musical. Selbst in der Musik hat sich das Thema deutlich niedergeschlagen - in Form von entsprechenden Texten oder Klängen, denken wir da z. B. an Black und Death Metal, Grindcore, aber auch an Darkwave und Dark Ambient. Und PC- und Videospiele sollen hier auch nicht unerwähnt bleiben.
Generell ist das Tempo der Produktionen gestiegen. Alles wird immer schnelllebiger, so dass man kaum noch hinterher kommt. Auch der Härtegrad wurde im Laufe der Zeit immer stärker. Das gilt ebenso für die gezeigten Nachrichten oder das „unzensierte“ Internet, so dass Diskussionen über Verrohung oder Abstumpfung der Gesellschaft nicht unbegründet und eine logische Konsequenz sind. Es reicht aber nicht, den Gruselproduktionen allein den schwarzen Peter zuzuschieben.
Der Grusel von einst ist zum Horror von heute geworden und bombadiert in unzähligen Facetten die Freunde der Subkultur. Bitte nicht falsch verstehen, ich selbst bin ein Genre-Freunde auch wenn es Produktionen gibt, die einen mit dem Kopf schütteln lassen und deren Sinn nicht unbedingt in jedem Fall klar wird. Letztlich versuche ich jedoch, in allem zumindest irgendwie den „künstlerischen“ Aspekt des Machers zu respektieren (verstehen ist etwas anderes!). Ob die Menschheit alles braucht, was auf den Markt geschmissen wird, steht auf einem anderen Blatt. Das darf dann der mündige, verantwortungsvolle Bürger selbst für sich entscheiden. Schließlich sind sämtliche Kreationen nicht als Anleitung zur Nachahmung oder zum Ausleben gedacht!

Fazit:
Gruselproduktionen entstehen aus verschiedenen Beweggründen, die durchaus ihre Berechtigung haben.
So vielseitig die Ängste der Menschen sind, so variabel sind auch die Produktionen.
Es gruselt sich die Menschheit von je her, weil es zu jeder Zeit Gefahren und Furcht gab sowie von gut und böse berichtet wurde. Freude und Unterhaltung daran zu empfinden, dürfte man aber nur, wenn gewiss ist, dass das Dargestellte Fiktion ist, selbst wenn es realistisch wirkt. Oder bei „Geschichten“, die auf wahren Begebenheiten beruhen, sollte die Problematik für die Betroffenen zumindest ausgestanden sein. Andernfalls tendiert das Verhalten von Freude, Spaß und Unterhaltung in Richtung Perversion!

Das soll hier nun mein Beitrag zum Thema gewesen sein und einen kleinen, beschreibenden Einblick bieten, rühmt sich aber sicherlich nicht der Vollständigkeit.

Dunkle Grüße \m/
Grimboldtt

Anmerkung vom Dunkel-Zonen-Team:
Wir danken dem Düster-Künstler Grimboldtt für seine Ausführungen.
Wer mehr über ihn und sein Projekt erfahren möchte, besucht bitte www.grimboldtt.de.

Bezüglich des Grusel- und Horrorfilm-Genres wird demnächst ein gesonderter Eintrag erfolgen.
Bis dahin...